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Gesundheitsindustrie am Standort Deutschland braucht verlässliche Rahmenbedingungen


Eindeutig geregelte Zugangsmöglichkeiten für Innovationen in den deutschen Markt fehlen bislang

"Die Herausforderungen in unserem Gesundheitssystem sind zu einem großen Teil geprägt durch die Alterspyramide. Um die Gesellschaft und auch die Politik unterstützen zu können, diese Herausforderungen zu meistern, muss die Gesundheitswirtschaft in klaren Rahmenbedingungen arbeiten können," fordert Matthias Borst, Vorsitzender des Business of Healthcare Committee (Ausschuss für Gesundheitswirtschaft) von AmCham Germany. 

Anlässlich der heutigen Vorstellung des Papiers "Herausforderungen der Gesundheitsversorgung – Positionen der Gesundheitswirtschaft" vor Politik und Medien in Berlin erläutert Borst weiter, dass diese Rahmenbedingungen zum einen die klare Planbarkeit aus ökonomischer Sicht meinen, aber auch eindeutig geregelte Zugangsmöglichkeiten für Innovationen in den deutschen Markt. Beides sei im Moment nicht gegeben.

Aus der Perspektive eines international tätigen, forschenden Arzneimittelherstellers mit umfangreichem Investment in Deutschland ergänzt Dr. Gerd Kräh, Director Government Affairs, Lilly Deutschland GmbH: „Um im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht die Gesundheitsindustrie am Standort Deutschland verlässliche, stabile und planbare Rahmenbedingungen. Es wird entscheidend darauf ankommen, dass wir in einen strukturierten Dialog aller Beteiligten in der Gesundheits-, aber auch Wirtschafts- und Forschungspolitik einsteigen, um mittel- und langfristig gemeinsam Lösungen zu finden. Nur so können wir den deutschen Markt für weitere Investitionen zukunftsfähig erhalten.“

Die Gesundheitsbranche in Deutschland ist mit 4,3 Millionen Beschäftigten und Wachstumsprognosen von plus drei bis sechs Prozent eine der wichtigsten Sektoren der deutschen Volkswirtschaft. Allein die pharmazeutische Industrie investierte im Jahr 2011 in Deutschland 3,9 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, die ebenso innovationsstarke Medizintechnik-Branche rund neun Prozent ihres Umsatzes. In der Diagnostika-Industrie bewegt sich der Anteil der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung seit Jahren zwischen 12 und 14 Prozent.

Executive Summary: "Herausforderungen der Gesundheitsversorgung – Positionen der Gesundheitswirtschaft"

Herausforderung: Versorgung im demografischen Wandel 
Der demografische Wandel stellt eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, insbesondere für das Gesundheitswesen dar. Es gilt das Erwerbspersonenpotenzial zu steigern, den Einzelnen länger und gesünder am Leben, auch am beruflichen Leben, teilhaben zu lassen. Die Gesundheitswirtschaft bietet mit ihren Innovationen Lösungen an, um die Versorgung qualitativ hochwertig und zugleich effizient zu gestalten. Aufwendungen im Gesundheitswesen sind deshalb Investitionen in die gesellschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands. Sie stärken Wachstum und Beschäftigung. Mit den ökonomischen und versorgungspolitischen Beiträgen sind sie Teil der Lösung für den demografischen Wandel, nicht das Problem.

Perspektivenwechsel: Ganzheitlich statt isoliert
Wie kaum ein anderes System ist das deutsche Gesundheitswesen geprägt von einer sektoralen Trennung. Das Fehlen eines ganzheitlichen Ansatzes schadet jedoch Patienten und Versicherten, da die Versorgung an Qualität und Wirtschaftlichkeit einbüßt. Unser Anspruch für die Bewertung von Lösungen im Gesundheitswesen ist eine sektorenübergreifende Betrachtung. Die Einzelfallbetrachtung in einem Sektor greift zu kurz. Es müssen patientenorientierte Lösungen in der Versorgung möglich sein, die sich an der Versorgungsrealität orientieren und nicht allein auf sektoralen Versorgungsansätzen beruhen. Im Hinblick auf die Gesundheitswirtschaft ist eine Integration von Wirtschafts-, Forschungs- und Gesundheitspolitik erforderlich.

Governance: Pluralismus und Partizipation für mehr Zukunftsfähigkeit
Die Selbstverwaltung ist zur wesentlichen Gestaltungskraft im deutschen Gesundheitswesen geworden. Handlungsspielräume und Machtfülle des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sind dabei sukzessive angewachsen. Zunehmend zeigt sich, dass politische Zielsetzungen durch das Handeln des G-BA konterkariert werden. Hier ist zu überlegen, ob eine rein formale Prüfung von Beschlüssen des G-BA nicht durch eine stärkere inhaltliche Prüfung ergänzt werden muss. Zudem sollte die Machtkonzentration beim GKV-Spitzenverband bei der Nutzenbewertung von Arzneimitteln durch alternative institutionelle Regelungen reduziert werden. Die Beteiligungsmöglichkeiten der Industrie in den Prozessen der Selbstverwaltung sind gering. In einzelnen Bereichen fehlt es zudem an Beratungs- und Entscheidungsfristen.

Prävention statt Kuration: Innovationen leisten einen wichtigen Beitrag
Die Prävention ist eine wichtige Säule in der modernen Gesundheitsversorgung. Sie umfasst die Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Die Gesundheitswirtschaft fordert eine weitere Steigerung der politischen Aufmerksamkeit für die Rahmenbedingungen in der Prävention. Die Unternehmen leisten einen vielfältigen Beitrag zur Präventionsförderung: Geräte, Diagnostik, Medikamente, aber auch Forschungsinfrastruktur, Wissens- und Technologienetzwerke. Die über Jahre entstandenen Wissensnetzwerke und Kooperationen bürgen dafür, dass nicht nur heutige, sondern auch kommende Anforderungen im Gesundheitswesen erfolgreich bewältigt werden können.

Effizienz steigern: Prozesse gestalten und optimieren
Die Koordinierung an den Schnittstellen der Versorgung sowie eine anreizkompatible Steuerung des gesamten Versorgungsprozesses sind seit Jahren als zentrale Steuerungsprobleme im deutschen Gesundheitswesen identifiziert. Die Prozess- und Produktinnovationen der Gesundheitswirtschaft sowie komplette Gesundheitsdienstleistungen können wichtige Beiträge zu einem besseren Versorgungsmanagement leisten. Beispiele hierfür sind telemedizinische Ansätze.

 

Über das Business of Healthcare Committee
Das AmCham Business of Healthcare Committee (Ausschuss für Gesundheitswirtschaft) vertritt als zentraler Ansprechpartner die Interessen der AmCham-Mitglieder der Gesundheitsbranche – von forschenden Arzneimittelherstellern über Medizintechnik-, Diagnostik- und IT-Unternehmen bis hin zum Consumer Health Sektor. Mit 4,3 Mio. Beschäftigten und Wachstumsprognosen von plus drei bis sechs Prozent, zählt der Gesundheitsbereich zu den wichtigsten Sektoren der deutschen Volkswirtschaft.

Über AmCham Germany
Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany) fördert die globalen Handelsbeziehungen, die auf dem starken Fundament der amerikanisch-deutschen Partnerschaft stehen. Dabei unterstützen und fördern wir aktiv die Interessen unserer Mitglieder durch unser Netzwerk in Wirtschaft, Politik und der AmChams weltweit. AmCham Germany ermöglicht interkulturelles Verständnis, Zusammenarbeit und neue Investitionen durch die Grundsätze eines transparenten Dialogs, freien Handels und eines wettbewerbsfähigen und offenen Wirtschaftsklimas.

Pressemitteilung als PDF Datei

Positionspapier "Herausforderungen der Gesundheitsversorgung – Positionen der Gesundheitswirtschaft"

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